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Neue Konfliktherde in der Partnerschaft: Chatten und Internet-Sex, Kontrolle per Handy
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Untreue entsteht zuerst im Kopf. Vor 44 Jahren, bei der Gründung der Darmstädter Ehe- und Familienberatung, war das Thema so brisant wie heute. Nur, dass es jetzt mit zunehmender Tendenz außer körperlichen auch virtuelle Außenbeziehungen gibt: Seitensprünge mit der Traumfrau im Internet, während die ahnungslose Ehefrau schläft.

Neue Kommunikationsmittel verursachen neue Konflikte in der Partnerschaft. Frauen ertappen ihre Männer beim Betrachten von Sex-Seiten im Internet oder beim Chatten mit anderen Frauen.

Mann und Frau kontrollieren sich gegenseitig über das Handy; jederzeit können sie herausfinden, mit wem der andere wann gesprochen hat. Die hinter diesem Verhalten stehenden Beweggründe sind altbekannt – unerfüllte Wünsche der Männer, Misstrauen und Kontrollsucht.

Immer häufiger kommt es vor, dass sich Frauen – manchmal sogar in Begleitung ihres Partners –, wegen virtueller Untreue an die Ehe- und Familienberatungsstelle wenden. Bei ihnen löst sie die gleichen Gefühle aus wie ein richtiger Seitensprung. Sie fühlen sich verletzt und gedemütigt, ihr Selbstwertgefühl ist zerstört.

Wie kann die Ehe- und Familienberatung weiterhelfen? Familientherapeutin und Diplom-Pädagogin Annette Kreher von der Fachleitung erklärt, dass die Beraterinnen und Berater die gleiche Methode anwenden wie beim altbekannten Fremdgehen – weil die Partner in beiden Fällen nicht offen und ehrlich miteinander umgehen. Beide sind blockiert. Untreue ist ein Signal: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

In Gesprächen mit dem Paar versuchen die Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen herauszufinden, wie sich die Liebesbeziehung entwickelt hat und welche unausgesprochenen Wünsche beide Partner haben. Ist noch ein Fünkchen Interesse füreinander vorhanden, können sie wieder zueinander finden. Nach den Erfahrungen des Beratungsteams sind aber vor allem die Männer selten bereit, den Blick nach Innen zu wagen und sich mit ihrem Verhalten auseinanderzusetzen.

Weil Männer sich klärenden Gesprächen gern entziehen, kommen manche Frauen nach frischer Trennung auf die Idee, mit ihrem Ex anonym zu chatten und auf diese Weise Antworten für sich zu finden. Über das Medium Internet, in dem viel gelogen und geprahlt wird, lernen die Frauen ihre ehemaligen Männer dann von einer völlig neuen Seite kennen. Manche sind so schockiert, dass ihnen die Trennung leichter fällt.

Trennung – und was dann? In Gruppengesprächen werden die Verlassenen und Betrogenen angeleitet, erst einmal zu sich selbst zu finden, sich über die eigenen Wünsche klar zu werden und die zerbrochene Beziehung kritisch zu analysieren. Kinder, Beruf, Hobbys und Freundes-Netzwerke gewinnen zunehmend an Bedeutung.

In den Gruppen treffen Männer und Frauen in unterschiedlichen Phasen der Trennung aufeinander. Jeder kann vom anderen lernen. Warum ist es heute schwieriger als früher, eine Partnerschaft einzugehen? Die Beraterinnen sagen: weil Partnerschaft Arbeit,

Verbindlichkeit und Verantwortung bedeutet. Weil die alten Rollen und Modelle nicht mehr gelten und die Regeln – wer macht was im Haushalt? Wer kümmert sich wann ums Kind? – neu ausgehandelt werden müssen.

Erfreut stellen sie fest, dass immer mehr Paare schon „im Zustand der Unzufriedenheit“ zu ihnen kommen und nicht erst, wenn sich die Liebe verabschiedet hat. Sogar junge, noch nicht verheiratete Paare suchen vorsorglich den Rat der Experten.

Und es gibt noch eine neue Entwicklung, die wohl mit der Homepage im Internet zusammenhängt. Immer mehr Männer mit Partnerschafts- oder Berufsproblemen melden sich für Einzelberatungen an, nachdem sie sich auf der Internet-Fotoleiste den ihnen sympathischsten Berater ausgesucht haben. Wer schon einmal verheiratet war, kommt bei Konflikten mit der zweiten Ehefrau bereitwilliger in die Darmstraße 2: Er weiß ja, was er alles verlieren kann.

Quelle: echo-online.de
Petra Neumann-Prystaj
12.9.2006

 
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